Tech for Net Zero – CEO4Climate-Briefing mit der Empa


Die für die Umsetzung des Netto-Null-Ziels relevanten Technologien entwickeln sich schnell. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch nicht nur die Technologie selbst, sondern die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, um Innovationen weiterzuentwickeln, in die Praxis zu bringen und im grossen Massstab zu skalieren.
Community Insights
von CEO4Climate
16.09.2026

Das CEO4Climate Briefing «Tech for Net Zero» an der Empa hat einmal mehr gezeigt: Viele Technologien für eine klimaneutrale Wirtschaft sind weitgehend vorhanden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Transformation nur gelingt, wenn Unternehmen, Forschung und Innovationsakteure eng zusammenarbeiten. Der Austausch zwischen CEOs und führenden Wissenschaftler*innen machte klar, wie wichtig Kooperationen sind, um neue Technologien schneller zur Marktreife zu bringen, ihre Anwendung zu beschleunigen und erfolgreiche Lösungen breit zu skalieren.

Fotografie: Patrik Fuchs
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Key Community Insights und Präsentationen

Zukunft des Baus: Zirkulär und nachhaltig?

Die Kreislaufwirtschaft geht im Bausektor weit über Recycling hinaus. Der grösste Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen liegt bei Beton nicht im Recycling der Materialien, sondern in der Senkung des Zementanteils und der Nutzung neuer Lösungen zur CO₂-Speicherung. Gleichzeitig wird zirkuläres Bauen technisch zunehmend möglich, ist aber oft noch zu wenig wirtschaftlich – gerade auch aufgrund der damit verbundenen Komplexität. Entscheidend für den Durchbruch sind daher Rahmenbedingungen, welche Umweltkosten stärker berücksichtigen und die Wiederverwendung von Materialien fördern – beispielsweise durch Grenzwerte oder einen stärkeren Fokus auf graue Energie.

Leiter Abteilung Beton und Asphalt Empa

Batterien als Schlüsseltechnologie: Was kommt als nächstes?

Batterien sind entscheidend in einem Stromsystem, das immer stärker auf erneuerbaren Energien basiert. Der Batteriemarkt entwickelt sich sehr dynamisch:  Die Preise sind weiter massiv gesunken, die Produktion und der Zuwachs der installierten Leistung haben die Erwartungen deutlich übertroffen. Gleichzeitig bleibt die starke Abhängigkeit von China bei zentralen Rohstoffen und Wertschöpfungsschritten ein bedeutendes geopolitisches Risiko. Für die Schweiz ergeben sich dennoch attraktive Chancen, da zahlreiche Unternehmen an dieser Wertschöpfung beteiligt sind. Das grösste Potenzial für die Zukunft liegt weniger in der Entwicklung neuer Batterietechnologien als vielmehr in der Skalierung bestehender Lösungen und in der kontinuierlichen Steigerung von Effizienz und Präzision.

Leiter Abteilung Materials for Energy Conversion Empa

CO2-freie Mobilität: Mehr als elektrisch?

Synfuels werden bei der Dekarbonisierung von Luftfahrt, Schwerverkehr und Teilen der Industrie eine relevante Rolle spielen. Die Skalierung hängt dabei stark von den politischen Rahmenbedingungen ab: Langfristige Abnahmegarantien und Instrumente zur Risikoreduktion sind entscheidend, damit die notwendigen Investitionen getätigt und die Technologien im grossen Massstab skaliert werden können. Staatliche Garantien und andere Instrumente zur Risikoreduktion können einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leisten. Kosten bleiben eine zentrale Herausforderung, weshalb – je nach Anwendungsfall – auch alternative Lösungen zur Dekarbonisierung geprüft werden müssen.

Leiter Abteilung Chemische Energieträger und Fahrzeugsysteme Empa

Mining the Atmosphere: Eine neue Industrie?

Negativemissionen werden langfristig eine zentrale Rolle für das Erreichen der Klimaziele spielen. Besonders viel Potenzial besteht darin, abgeschiedenes CO₂ in Produkten wie Beton zu nutzen und dadurch zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen zu schaffen. Ein Beispiel zeigte, dass der Einsatz von Kohlenstoff im Beton die Projektkosten lediglich um rund 1,5 % erhöht, gleichzeitig aber ein sehr grosses Senkenpotenzial bietet. Für die Skalierung sind jedoch ein wirksamer CO₂-Preis und klare Investitionsanreize entscheidend. Die Technologien sind vorhanden. Nun geht es darum, sie wirtschaftlich zu machen und im grossen Massstab zu skalieren.

Leiter Climate Solutions Hub Empa

Versorgungssicherheit und Klimaziele: Braucht es Kernkraftwerke?

Eine klimaneutrale und sichere Stromversorgung bis 2050 ist sowohl mit als auch ohne neue Kernkraftwerke möglich. Unabhängig von der langfristigen Rolle der Kernkraft besteht Einigkeit, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Reservekapazitäten entscheidend sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine enge Einbindung in den europäischen Strommarkt und damit das Stromabkommen mit der EU in jeden Fall zentral ist. Die Sensibilisierung der Bevölkerung spielt dabei eine wichtige Rolle: Zusammenhänge zwischen Versorgungssicherheit, Klimazielen, Reservekraftwerken und dem möglichen Beitrag neuer AKW sind oft schwer nachvollziehbar und benötigen eine verständlichere Einordnung.

Energy Research Manager ETH Zürich