Der KMU-Business-Case zum Netto-Null-Ziel – Erfahrungsaustausch bei Zurich Schweiz


Wer Abhängigkeiten reduziert, stärkt nicht nur die Resilienz seines Unternehmens, sondern beschleunigt gleichzeitig die Erreichung des Netto-Null-Ziels. Gerade in einem von Unsicherheit geprägten wirtschaftlichen Umfeld werden Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit zunehmend zu zwei Seiten derselben Medaille.
Community Insights
von CEO4Climate
24.09.2026

Wie dies in der Praxis gelingt, war das zentrale Thema des CEO4Climate-Erfahrungsaustauschs bei Zurich Schweiz. Über 80 Geschäftsführer*innen aus allen Branchen nutzen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Praxisbeispiele von KMU zu vertiefen.

Schwerpunkte bildeten die Rolle der öffentlichen Beschaffung bei der Stärkung der Nachfrage nach klimafreundlichen Lösungen und die Frage der Stromversorgungssicherheit. Diese zwei Hebel sind zentral, damit KMU in der Breite schneller vorankommen, um ihre Emissionen zu reduzieren.

Marc Steiner, Richter am Bundesverwaltungsgericht, machte klar, dass der Paradigmenwechsel in der Vergabepraxis in Richtung Nachhaltigkeits- und Qualitätswettbewerb vorankommt, aber noch viel Handlungsbedarf besteht. Er betonte die wichtige Rolle der Unternehmen, zur Beschaffungskompetenz innerhalb der Verwaltung beizutragen – beispielsweise durch die Mitwirkung in Verbänden wie swisscleantech. Denn nur wenn die Ausschreibungen richtig umgesetzt werden und die Verwaltung auch eine gewisse Risikobereitschaft an den Tag legt, gibt es die nötigen Fortschritte.

Christian Schaffner, Direktor des Energy Science Centers, zeigte auf, dass die Stromversorgungssicherheit trotz steigendem Stromverbrauch durch die Dekarbonisierung sowohl mit als auch ohne Kernkraftwerke gewährleistet werden kann. Er wies darauf hin, dass gerade mit Blick auf die nächsten Jahre der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Einbindung in den europäischen Strommarkt zentral sind.

Fotografie: Patrik Fuchs
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Key Community Insights

Vorreiterrolle im Bereich Klima – ein Beitrag an starke Unternehmenskultur

Die Unternehmenskultur prägt die Identität des Unternehmens, stärkt die Identifikation der Mitarbeitenden und erleichtert die Umsetzung von Veränderungen. Kultur wird von der Führung vorgelebt und durch die Auswahl neuer Mitarbeitender sowie bei Unternehmensübernahmen – im Idealfall strategisch – weiterentwickelt. Für die Verankerung von Nachhaltigkeit in Unternehmen ist zudem entscheidend, die Kommunikation auf die jeweilige Zielgruppe auszurichten und neben der Verantwortung auch den konkreten wirtschaftlichen Nutzen aufzuzeigen.

Oft schaffen dabei kleine Erfolge Akzeptanz und Motivation. Entscheidend ist dabei, die Motive und Sprache der jeweiligen Zielgruppe zu verstehen: Während einige Entscheidungsträger*innen stark auf Verantwortung und Zukunftssicherheit ansprechen, lassen sich andere eher durch klare wirtschaftliche Vorteile, überzeugende Kosten-Nutzen-Rechnung und erste Erfolge gewinnen.

Dekarbonisierung pragmatisch umsetzen

Dekarbonisierung in KMU gelingt dann, wenn sie pragmatisch, branchenspezifisch und wirtschaftlich umsetzbar ist. Entscheidend sind einfache Hilfsmittel und klare Fahrpläne, die Unternehmen helfen, die wirkungsvollsten Massnahmen zu identifizieren und Schritt für Schritt umzusetzen. Gleichzeitig müssen Investitionen in Nachhaltigkeit einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen bieten und mit den vorhandenen personellen Ressourcen realisierbar sein.

Ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt zudem die Marktnachfrage: Erst wenn klimafreundliche Lösungen einen erkennbaren Mehrwert für Kund*innen schaffen, können sie sich im Markt durchsetzen und breit skaliert werden.

Kreislaufwirtschaft als Wettbewerbsvorteil

Kreislaufwirtschaft umfasst weit mehr als die Verlängerung von Produktlebenszyklen. Erfolgreiche zirkuläre Geschäftsmodelle verbinden langlebige Produkte mit neuen Formen der Kundenbeziehung und schaffen Anreize für Wiederverwendung, Reparatur oder Rückgabe. Dabei spielen Faktoren wie zeitloses Design, ein überzeugendes Storytelling sowie einfache und attraktive Rücknahmeprozesse eine zentrale Rolle. Dabei eröffnen sich auch neue wirtschaftliche Chancen: Unternehmen können durch langfristige Kund*innenbeziehungen, Wiederverwertung ausgedienter Produkte und neue Geschäftsmodelle zusätzliche Wertschöpfung generieren und so ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

KMU-taugliche Anpassung – von Hitze bis Naturgefahren

Die Anpassung an den Klimawandel ist in Unternehmen sehr unterschiedlich stark verankert. Risikoanalysen zeigen häufig überraschend hohe Naturgefahrenrisiken für Standorte und Gebäude auf – dennoch werden daraus nicht immer entsprechende Schutzmassnahmen abgeleitet. Herausfordernd sind insbesondere komplexe Vorgaben und Normen im Objektschutz, die Investitionen erschweren können. Gleichzeitig bestehen bereits heute wirksame Unterstützungsinstrumente und Förderangebote, deren Bekanntheit weiter erhöht werden sollte. So übernimmt die Gebäudeversicherung des Kantons Bern beispielsweise bis zu 80 Prozent der Kosten für Naturgefahrenanalysen und unterstützt anschliessend auch die Umsetzung von Schutzmassnahmen finanziell. Entscheidend sind zudem praxisnahe Beispiele, welche den Nutzen von Resilienzmassnahmen sichtbar machen, sowie die Sensibilisierung zu Klimarisiken und bewährten Anpassungsstrategien in Aus- und Weiterbildungen.

Nachhaltige öffentliche Beschaffung vorantreiben

Nachhaltige öffentliche Beschaffung scheitert weniger an fehlenden Ambitionen als an der Umsetzung. Viele Gemeinden stehen vor der Herausforderung, die zunehmende Komplexität von Vergabeverfahren und Nachhaltigkeitsanforderungen personell und fachlich zu bewältigen. Gleichzeitig bestehen zwischen Ausschreibung, Vertragsumsetzung und Kontrolle oft erhebliche Lücken. Insbesondere mangelnde Kontrollen führen dazu, dass vereinbarte Nachhaltigkeitskriterien nicht konsequent eingehalten werden, was bei engagierten Unternehmen Frustration auslöst und faire Wettbewerbsbedingungen erschwert.

Eine stärkere Standardisierung von Vergabekriterien sowie neue Kooperationsformen wie Allianzverträge sind vielversprechende Lösungsansätze: Sie erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Auftraggebenden, Planenden und Ausführenden und die Umsetzung nachhaltiger Projekte.

Energieeffizienz und erneuerbare Energien – ein Case für KMU

Lokal produzierter Solarstrom wird von Unternehmen zunehmend als Möglichkeit geschätzt, um Energiekosten zu senken und sich gegen stark schwankende Strompreise abzusichern. Für energieintensive Betriebe sind zudem – je nach Unternehmensstandort – hauseigene Windkraftanlagen eine interessante Option. Sinkende Einspeisetarife machen Solarprojekte herausfordernd, wodurch hohe Eigenverbrauchsquoten immer wichtiger werden. Zudem hängt die gemeinsame Nutzung von Solarstrom über mehrere Liegenschaften hinweg trotz neuer rechtlicher Möglichkeiten wie lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) stark von den lokalen Netzbetreibern ab. Zu den wichtigsten Hebeln zur Senkung des Energieverbrauchs gehört die Elektrifizierung von Wärme durch Wärmepumpen sowie die Umstellung auf E-Mobilität.